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Der nächtliche Kampf gegen den Schlaf
Autor: Dr. Ingolf Duerr
(dgk) Zur Arbeit zu gehen, wenn andere nach Hause kommen, damit müssen in Deutschland immer mehr Menschen leben. Vor allem in größeren Betrieben und im Dienstleistungsbereich ist das Arbeiten in Schichten rund um die Uhr oft schon die Regel.
Schlafmediziner sehen dies mit Sorge. Schichtarbeiter hätten vorwiegend mit zwei Problemen zu kämpfen: Sie müssen versuchen, am Tage zu schlafen und sich in der Nacht wach zu halten. Abgesehen von den Nachteilen, die die Schichtarbeit für das familiäre Zusammenleben und die sozialen Kontakte mit sich bringt, führt sie auch zu einer erhöhten Anfälligkeit für verschiedene Erkrankungen. Bis zu 95 Prozent der Schichtarbeiter klagen über Schlafstörungen und sogar 70 bis 90 Prozent der ehemaligen Schichtarbeiter haben sich selbst Wochen und Monate später davon noch nicht erholt.
Verwunderlich ist dies kaum, leben die Betroffenen doch über einen längeren Zeitraum gegen ihren biologisch festgelegten Tag-Nacht-Rhythmus. Nachtarbeiter leiden deshalb unter ständigem Schlafentzug. Im Vergleich zur durchschnittlichen Schlafdauer von Menschen, die tagsüber arbeiten, ist ihr Schlafzyklus um zwei bis vier Stunden verkürzt.
Wer schlecht einschlafen und durchschlafen kann, bei dem treten fast zwangsläufig sogenannte Vigilanzstörungen auf. Vereinfacht gesagt bedeutet dies, er ist nicht immer richtig wach und voll konzentrationsfähig. Und das bleibt oft nicht folgenlos. So haben Studien gezeigt, dass Chirurgen nach einer Nachtschicht bei einer Operation 20 Prozent mehr Fehler machen und 14 Prozent mehr Zeit für eine Operation benötigen. Unzureichender Schlaf bei Nachtarbeitern stellt sich immer wieder als mitverursachender Faktor bei Unfällen heraus. Aber auch bei etwa einem Viertel der Unfälle im Straßenverkehr spielt übermäßige Schläfrigkeit eine Rolle.
Es lohne sich also, so sagen Schlafmediziner, etwas gegen die Schlafprobleme von Schichtarbeitern zu tun. Hilfreich seien flexible Arbeitszeitpläne, die auch während der Schicht Ruhephasen erlauben sowie Schichtpläne, bei denen der Übergang zwischen den Schichten – in Anpassung an den biologischen Rhythmus – im Uhrzeigersinn verläuft.
Schichtarbeiter sollten sich darüber hinaus die Regeln der Schlafhygiene aneignen. Danach sind im Bett nur Schlafen und Sex erlaubt. Zum Schlafen sollte die Schlafzimmertemperatur niedrig und der Raum dunkel gehalten werden. Schlafmittel sollten nur kurzfristig eingesetzt werden. Sie unterstützen zwar den Schlaf am Tage, die erforderliche Wachheit und Konzentrationsfähigkeit während der folgenden Nachtschicht wird aber nicht gesteigert.
Viele Schichtarbeiter versuchen, sich mit Koffein wach zu halten. Das funktioniert aber nur kurzfristig, nach einiger Zeit schlägt die Müdigkeit dann umso vehementer zu. Bei Patienten mit exzessiver Schläfrigkeit setzen Schlafmediziner heute moderne Wirkstoffe wie das Modafinil ein, um die Konzentrationsfähigkeit und Wachheit ohne die Gefahr von Nebenwirkungen zu erhöhen.
Auch mit der Ernährung kann man den Schlaf positiv beeinflussen. Schichtarbeiter sollten Mahlzeiten mit hohem Anteil an Eiweiß und Kohlenhydraten zu sich nehmen und auf schwer verdauliches Essen und gebratene Speisen verzichten.
Quelle: Deutsches Grünes Kreuz e.V.
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