Neujahrsempfang 2012 im
Schweriner Staatstheater
Auf dem traditionellen Neujahrsempfang des Ministerpräsidenten hat Erwin Sellering die gesellschaftlichen Gruppen im Land aufgerufen, an einer Zukunft aus eigener Kraft mitzuarbeiten. „Viele große und wichtige Aufgaben und Herausforderungen werden wir nur alle gemeinsam lösen können, in gemeinsamer Verantwortung und Anstrengung“, sagte Sellering zu den rund 500 Gästen seines Neujahrsempfangs.
Die wichtigste gemeinsame Aufgabe der kommenden fünf Jahre sei es, das Land wirtschaftlich weiter voranzubringen, sagte der Ministerpräsident. „Dazu braucht es alle: Arbeitnehmer und Gewerkschaften, Unternehmer und Kammern. Wie gut die zusammenarbeiten können, das haben sie im vergangenen Jahr mit dem Fachkräftebündnis und mit der gemeinsamen Erklärung zur Stärkung der Tarifpartnerschaft und dem Bekenntnis zu wirksamen Flächentarifverträgen gezeigt.“
Einen Schwerpunkt legte Sellering in seiner Neujahrsrede auf die Schulen im Land: „Wir alle wissen: Die weitere positive wirtschaftliche Entwicklung wird entscheidend davon abhängen, ob genug gut qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen. Deshalb ist von besonderer Bedeutung, dass wir den Kindern und Jugendlichen in unserem Land mit einer guten Bildung beste Chancen geben.“
Sellering warb für die „Inklusion“, die möglichst weitgehende Einbeziehung von Kindern mit besonderem Förderbedarf in die regulären Schulen „Die Inklusion ist die wahrscheinlich tiefgehendste Veränderung im Schulbereich seit langem. Sie kann wie die anderen wichtigen Aufgaben dort – die Attraktivität des Lehrerberufs, der Aufbau von Ganztagsschulen und die weitere Ausgestaltung der selbstständigen Schule – nur gelingen, wenn sie von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit getragen wird.“
Die Landesregierung starte deshalb einen „Schuldialog“ mit Lehrern, Eltern und Schülern.
Die beiden demokratischen Oppositionsparteien lud der Ministerpräsident ein, „gemeinsam, sachlich und kollegial an der Lösung der bestehenden Probleme zu arbeiten.“ Die Regierung sei offen für gute Vorschläge und Ideen. Die Landesregierung strebe einen „Schulfrieden“ an.
Das sei ein guter Ansatz, „um mit der zentralen Aufgabe einer guten Bildung für alle Kinder und Jugendlichen voranzukommen.
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Ich bin überzeugt: Das schaffen wir nur, wenn alle mitmachen. Alle, das heißt neben Lehrern, Eltern, Schülern auch die Fraktionen, die Lehrerverbände und Lehrergewerkschaften, die mit diesem Schulfrieden die Voraussetzung für eine sachliche Diskussion schaffen, damit sich am Ende motivierte Lehrerinnen und Lehrer auf das konzentrieren, was wir wollen: guten und engagierten Unterricht.“
Nach der Schulzeit komme es darauf an, Jugendliche in eine erfolgreiche Ausbildung zu bringen. Eine weitere gemeinsame Aufgabe sei es, Älteren wieder bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen.
Besonders würdigte Sellering das ehrenamtliche Engagement in Mecklenburg-Vorpommern. Rund 500.000 Menschen im Land seien ehrenamtlich tätig. „Der Einsatz all dieser Menschen trägt vor allem zu einem Klima der Gemeinsamkeit und der gegenseitigen Unterstützung in unserem Land bei“, sagte der Ministerpräsident. „Dieses Klima, das ist auch das Mittel zur Immunisierung gegen dumpfe Fremdenfeindlichkeit und ängstlichen Nationalismus, gegen Intoleranz und eine aus Minderwertigkeitsgefühlen erwachsende Aggressivität. Kurz gesagt: gegen die NPD, gegen Rechtsextremismus. Gerade hier müssen wir zusammenstehen. Im Landtag. Aber vor allem vor Ort, auf den Marktplätzen, in den Vereinen, überall dort, wo es deutlich zu machen gilt: Unser Mecklenburg-Vorpommern ist weltoffen, tolerant und solidarisch.“
„Wir sind in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen Jahren wirklich gut vorangekommen. Wir haben viel erreicht. Dabei kam und kommt es immer auf einzelne Menschen an, die mit ihrem Engagement viel bewegen, die mit ihrer Leidenschaft andere motivieren und mitreißen. Um diesen Menschen zu danken, ihren Einsatz zu würdigen, haben wir vor zehn Jahren den Verdienstorden des Landes Mecklenburg-Vorpommern ins Leben gerufen“, betonte der Ministerpräsident.
Das Schweriner Staatstheater und die musikalische Umrahmung war eine ansprechende Kulisse für den diesjährigen traditionellen Neujahrsempfang.
Ein weiterer Höhepunkt die Auszeichnung engagierter Bürger mit dem Verdienstorden des Landes
Mecklenburg-Vorpommern.
Die Auszeichnungen gingen an:
Prof. Dr. Kornelia von Berswordt-Wallrabe ist 1993 als Direktorin des Staatlichen Museums nach Mecklenburg-Vorpommern gekommen und hat in 16 Jahren als Museumschefin „mit beeindruckender Energie und Überzeugungskraft scheinbar Unmögliches möglich gemacht“, stellte der Ministerpräsident fest. Mit mutigen Schritten habe Frau von Berswordt-Wallrabe das Museum weiterentwickelt und dafür internationale Anerkennung erreicht. 2005 erhielt das Schweriner Museum die Auszeichnung „Museum des Jahres“. Kompetent und sehr couragiert habe sie es geschafft, neben den großartigen älteren Sammlungen des Museums wie den berühmten Niederländern die internationale Kunst der Gegenwart in Schwerin zu etablieren. „Für die Menschen hier hat Frau Prof. Berswordt-Wallrabe immer wieder wunderbare Gelegenheiten geschaffen, alter und neuer Kunst von Weltrang zu begegnen, ohne dass sie dazu um die halbe Welt reisen müssen. Und sie hat es geschafft, verlässliche Partner zur finanziellen Unterstützung der Museen und seiner Bestände zu gewinnen. Die langjährige Direktorin kann mit Stolz auf das schauen, was sie für das Staatliche Museum und die Schlossmuseen Schwerin, Güstrow und Ludwigslust geleistet hat“, hob der Ministerpräsident hervor.
Seit vielen Jahrzehnten setzt sich der Geobotaniker Dr. Heinz Henker mit großer Leidenschaft und einem riesigen Fachwissen für den Schutz, die Erforschung und den Erhalt der Pflanzenvielfalt in unserem Land ein. Schon als Schüler hat ihn die Botanik gefesselt. Die gleiche Begeisterung hat er als Lehrer seinen Schülerinnen und Schülern in Neukloster weitergegeben. 1954 wurde Herr Henker Mitglied in der Arbeitsgemeinschaft Mecklenburger Floristen, der heutigen Arbeitsgemeinschaft Geobotanik MV, die sich die pflanzengeografische Kartierung und Erforschung der Flora unseres Landes zur Aufgabe gestellt hat. Er war mehrere Jahrzehnte Vorstandsmitglied und ist seit 2006 Ehrenvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft. „Herr Henker ist ein hochgeschätzter und anerkannter Experte, auch über unser Land hinaus“, lobte der Ministerpräsident. Der Geehrte war an rund 80 Veröffentlichungen, darunter eine umfassende Dokumentation der Flora von Mecklenburg-Vorpommern beteiligt und brachte seine umfangreichen Kenntnisse als Mitautor der „Roten Listen“ der gefährdeten Höheren Pflanzen Mecklenburg-Vorpommerns ein. Seine besondere Liebe gilt den heimischen Rosen und Brombeeren. Eine Brombeerart trägt nach ihm den Namen Rubus henkeri. „Herr Dr. Henker hat für die Erforschung und Erhaltung der einzigartigen Pflanzenwelt bei uns in Mecklenburg-Vorpommern Herausragendes geleistet. Mit dem Landesorden wollen wir seine Arbeit in den vergangenen 60 Jahren würdigen“, sagte der Ministerpräsident.
„Die Frauen- und Gleichstellungspolitik, die wir bei uns in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen 20 Jahren gemacht haben, war gut und in vielem vorbildlich. Das ist zu einem großen Teil sehr engagierten Frauen wie Sieglinde Scheel zu verdanken“, betonte der Ministerpräsident. Schon lange vor der Wende habe Frau Scheel Frauentreffs organisiert und sich für die Interessen von Frauen stark gemacht. Mit der Gründung des neuen Landesverbandes des Demokratischen Frauenbundes wurde Frau Scheel Regionalbeauftragte für die Mecklenburgische Seenplatte. Sie engagiert sich besonders dafür, die Situation arbeitsloser, gering oder schlecht bezahlter Frauen zu verbessern. Darum hat sie im Frauenbund und im Arbeitslosenverband die Aufgabe der arbeitsmarktpolitischen Sprecherin übernommen. Auch als der Landesfrauenrat gegründet wurde, war sie mit dabei und vertritt Mecklenburg-Vorpommern im Vorstand des Deutschen Frauenrates als eine von nur wenigen Vorstandsfrauen aus Ostdeutschland. „Frau Scheel tut beides. Und sie hilft sehr konkret vor Ort. Frau Scheel berät und motiviert Frauen in schwierigen Situationen, damit sie sich selbstbewusst Veränderungen stellen. Dafür gibt sie sehr viel eigene Kraft weiter“, hob der Ministerpräsident hervor. „Ihre beeindruckende soziale Einstellung und ihr über lange Jahre herausragendes, vielfach ehrenamtliches, Engagement verdient große Anerkennung und die Auszeichnung mit dem Landesorden.“
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